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Windkraft: Auslastung in 2014 nur wenig über 16% ?

20060624_m_xl_wiki_0705Der Bundesverband Windenergie (BWE) jubelt über den erreichten „Rekordzubau von 4750 Megawatt“ an neuen Windkraftanlagen in 2014 in Deutschland. Dabei handelt es sich lediglich um die Anlagen an Land. Die Offshore-Anlagen sind noch nicht mal mit gezählt. Für die Windkraft-Branche ist das durchaus eine gute Nachricht.

Für den Stromverbraucher leider nicht. Wir Stromverbraucher müssen für die neuen Anlagen aufkommen. Die Kosten für die neuen Anlagen werden uns über einen Preisaufschlag in der EEG-Umlage über die nächsten 20 Jahre abkassiert. Je mehr neue Anlagen dazu gebaut werden, desto schneller wird die EEG-Umlage steigen. Natürlich schweigen die Lobbyverbände der regenerativen Branchen darüber. Über Kosten redet man lieber nicht.

Aber noch etwas fällt mir auf: in der stolzen Verkündigung des BWE finde ich keine Zahlen zu den eingespeisten Strommengen. Es wird nur über die Leistungen der Anlagen gesprochen. Kein Wort über die wichtigen Kennzahlen wie Wind-Ausbeute und Auslastung der Windkraftanlagen. Auch in dem ausführlichen „Factsheet: Status der Windenergie an Land in Deutschland 2014“ des BWE keine Erwähnung der Strommengen. Warum nicht?

Das macht neugierig. Rechnen wir uns diese Kennzahlen einfach selbst aus. Die eingespeisten Strommengen für 2014 wurden von mehreren Quellen berichtet. So vermeldet das Fraunhofer-Institut für die Windkraft eine Strommenge von 51,4TWh. Der BDEW 51,2TWh für die Anlagen an Land und nochmals 1,2TWh für die auf See. Nehmen wir den Wert von 51,3TWh, entspräche das einer mittleren Erzeugungsleistung der Windkraft an Land von 5,86GW über die 8760 Stunden des Jahres.

Ziehen wir sogar die Hälfte des Zubaus von 2014 ab, hätte die installierte Leistung mit den Werten des BWE im Mittel bei 36,1GW gelegen. Das wäre das 6,16-Fache der über das Jahr erzeugten Leistung und entspräche einer Auslastung von gerade mal 16,2% oder nur 1421 Volllaststunden. Erstaunlich schwache Werte für die Wind-Ausbeute bzw. die Auslastung der Windkraftanlagen, lesen wir sonst weit höhere Werte. Da sollte man dann stutzig werden, wenn ein Werbe-Prospekte für eine Investition in Windkraftanlagen weit höhere Werte ausweist, obwohl die guten Standorte eigentlich schon weg sind.

Für die Windkraft auf See ergibt sich folgende Rechnung: der BDEW spricht von einer Stromerzeugung von 1,2TWh (siehe oben), was einer Leistung von 137MW über das Jahr gleich kommt. Laut den Leistungswerten des BWE lag die Leistung der Offshore-Windkraftanlagen Ende 2014 bei 1049MW, während über das Jahr 529MW ans Netz gingen. Selbst wenn wir hier 75% des Zubaus abziehen, verbliebe eine Leistung von 659MW im Mittel. Damit hätte selbst die so gepriesene Windkraft auf See nur 20,7% Auslastung erreicht. Das ist wahrlich kein Wert zum jubeln. Auf ein sehr ähnliches Ergebnis für die teure Offshore-Windkraft kommtn übrigens auch Rolf Schuster in seiner sehr interessanten Analyse auf achgut.com.

Mehr Infos zu schwachen Auslastung der Windkraft von Andreas Sindlinger in seinem lesenswerten Beitrag: „Windbranche feiert sich selbst – zurecht?“ auf www.gegenwind-weinheim.de

Bildnachweis: WKA bei Prenzlau/Brandenburg von Molgreen (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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