«

»

Warum wird Tesla so überbewertet?

Gestern fand sich mal wieder ein typischer Tesla-Hype-Beitrag auf Zeit-online. Autor ist Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management der FH Bergisch Gladbach. Headline seines Artikels: „Warum Tesla die Autobauer das Fürchten lehrt“. Nur wieso sollte sich unsere Automobilindustrie vor so einer Elektroauto-Klitsche fürchten? Über welche bedeutenden Kompetenzen verfügt Tesla, die die etablierten Hersteller nicht hätten? Den Elektroantrieb? Die Lithiumionenakkus? Wohl kaum. In beiden Fällen handelt es sich eher um sehr etablierte Technologien, deren Entwicklungskurve längst extrem flach ist. Durch schönes Desing alleine werden Elektroautos auch nicht besser. Tesla kaschiert die Schwächen aber sehr gut und macht tolles Marketing.

Das vermutlich einzige, was Tesla bei seinen Autos anders macht, ist dass sie große, teure Akkus verbauen, um das Hauptproblem mit der Reichweite abzumildern. Das geht jedoch nur über den Kompormiss mit einem exorbitant hohen Preis, sodass Tesla gezwungen ist, Luxus-Elektroautos anzubieten. Und ganz ehrlich: auch VW könnte von heute auf morgen ein E-Auto mit Monsterakku bauen, das dann ebenfalls theoretisch 500 Kilometer weit fährt. Denn die Reichweite von 500 Kilometern des Tesla ist so ähnlich realitätsnah wie der Spritverbrauch von weniger als 6 Litern über 100 Kilometer beim Porsche Panamera Diesel, Bei gemütlicher Fahrt auf der Autobahn lässt sich der Panamera Diesel nämlich durchaus mit weniger als 6 Litern/100km fahren. Nur Porsche stellt sich nicht hin, um uns zu erzählen, dass der Panamera Diesel auch mit nur 6 Litern/100km bewegt werden kann.

Vergleicht man beide Autos miteinander, relativiert sich die Begeisterung für den Tesla nämlich ziemlich schnell. Die Überlegenheit des Porsche und seine edle Anmutung sprechen hier für sich. Ganz davon abgesehen, dass er von beiden das einzig sinnvoll nutzbare Auto ist. Wer mir das nicht glauben will, der vergleiche bitte beide Autos mal in Realität. Danach dürfte der Glaube dahin sein, dass sich Porsche vor Tesla fürchen müsste. (Nein, ich besitze keinen Porsche. Der Panamera ist meines Erachtens einfach der beste Vergleich mit dem Tesla Model D)

Herr Bratzel scheint in seinem Artikel von einer Welt zu schreiben, die für mich mit der Realität nicht sehr viel gemeinsam hat. Die paar Ladesäulen, die Tesla aufgestellt hat, werden kaum helfen, dass sich E-Autos durchsetzen. Der von ihm geprisene Top-Down-Ansatz ist schlichtweg der einzige Weg, dass Killerproblem „Reichweite“ etwas zu kaschieren. Das aufwändige Marketing ist essentielle Grundlage, um die zahlungskräftige Kunden zu erreichen. Und obwohl es für die Elektroautos auch noch finanzielle Anreize von staatlicher Seite gibt, schafft es Tesla bisher trotzdem nicht, Geld zu verdienen. Da frage ich mich, wie sie mit dem Model 3, das für nur 35.000 US-Dollar an den Kunden gehen soll, jemals in die schwarzen Zahlen kommen wollen?

Nüchtern betrachtet wird auch diese Welle der Begeisterung für Elektroautos bald der Ernüchterung weichen. Denn der Elektroantrieb ist weit weg davon, als sinnvolle Alternative für den Verbrennungsmotor zu fungieren. Das Fahren mit Strom verbraucht mehr Energie, ihr Beitrag für die Umwelt ist eher negativ, die Fahrzeuge sind teuer und ihr Nutzen ist aufgrund der geringen Reichweite sehr beschränkt. Die Realität wird vermutlich auch Tesla früher oder später einholen, womöglich schon beim Model 3. Ich bin gespannt, wie es Tesla anstellen will, das Model 3 mit den versprochenen Leistungen zum Preis von 35.000 US-Doller kostendeckend zu produzieren. Oder ob Tesla schon recht bald in die Geschichte eingeht, aber vermutlich nicht als Game Changer.

Quelle: Stefan Bratzel: „Warum Tesla die Autobauer das Fürchten lehrt“. zeit-online.de, 18.04.2016. Link: http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-04/automobilindustrie-digitalisierung-elektromobilitaet-autonomes-fahren-tesla-wandel/komplettansicht

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Menu Title