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Öko-Institut rechnet Elektromobilität (vergeblich) schön

Gefoedert-vom-BWMiJede Studie offenbart so manches über seinen Ersteller. Beim Thema Elektromobilität bekleckert sich das Öko-Institut jedenfalls nicht mit Ruhm. Zumindest die Studie „Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität in gewerblichen Anwendungen“, die vom BMWi gefördert wurde, strotzt nicht gerade von fachlicher Kompetenz. Es irritiert mich, wie offensichtlich man dort die Betriebskosten des Elektroautos günstig zu rechnen versucht.

So beschäftigt sich die Studie zwar mit den hohen Akkupreisen. Ebenso wird erwähnt, dass die Akkus eine begrenzte Lebensdauer haben. Aber die aus dem Verschleiß dieser teuren Akkus resultierenden Kosten kehrt man unter den Tisch. Würde es sich um unbedeutende Kosten handeln, könnte man darüber hinweg sehen. Der Akku-Verschleiß ist jedoch alles andere als zu vernachlässigen. Der hohe Preis der Batterien nimmt dem Elektroauto zur Zeit fast jede Chance gegenüber einem PKW mit Verbrennungsmotor günstig da zu stehen.

Statt diese Weglassung wenigstens ansatzweise über einen gesteigerten Wertverlust zu kompensieren, verlieren die Elektroautos nach dieser Studie ihren Wert nicht schneller als herkömmliche PKW. Dass die Realität – nicht zuletzt wegen des Altern der Akkus – anders aussieht, dazu hätte vermutlich eine Anfrage bei einer Leasing-Gesellschaft ausgereicht.

Aber damit nicht genug: so kalkuliert die Studie für die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor einen Verbrauchs-Aufschlag von 38% gegenüber dem Normverbrauch. Daran ist an sich nichts auszusetzen, da der Normverbrauch nach NEFZ nur wenig mit dem Verbrauch in der Praxis zu tun hat. Für wissenschaftliches Vorgehen bedarf es dann natürlich, dass auch für die Elektroautos der Energieverbrauch unter vergleichbaren Betriebsbedingungen heran gezogen wird. Doch obwohl die „Studie“ immer wieder auf Daten vom ADAC zurückgreift, ignoriert man die umfangreiche Testbericht-Datenbank des ADAC, die auch für die meisten Elektroautos unter einheitlichen Bedingungen ermittelte Energieverbrauchswerte bereit stellt. Stattdessen wird man kreativ: man pickt sich 80 Einträge der Internetseite „Spritmonitor“ heraus, in die eigentlich jedermann Verbrauchswerte eintragen kann. Auch so mancher Elektroauto-Freak, der uns weiß machen will, wie sparsam man mit dem Elektroauto dahin schleichen kann.

Vergleiche ich die vom Öko-Institut für die PKW angenommen Verbrauchswerte mit den Testverbrauchswerten vom ADAC fällt auf: das Öko-Insttitut setzt für die PKW mit Verbrennungsmotor deutlich höhere Verbrauchswerte an als der ADAC sie gemessen hat, nimmt aber gleichzeitig für die Elektroautos niedrigere Werte an. Dabei berücksichtigt auch der ADAC-Test keinen Winterbetrieb, der den Verbrauch der Elektroautos erst richtig in die Höhe treibt (zum Verbrauch auf unverzerrt.de, wie es sich mit dem Energieverbrauch verhält.)

Ziemlich absurd wird die „Studie“ aber bereits aus einem ganz anderen Grund: mit der Ausrede, dass es angeblich noch nicht genug empirische Daten über Elektroautos gäbe, wird das Elektroauto für die Studie einfach frei „definiert“. Die Spezifikationen des Elektroautos werden – nach welchen Kriterien auch immer – vom Öko-Institut selbst festgelegt. Die in der Analyse heran gezogenen Elektroautos sind also fiktiv. Und obwohl es längst reichlich Versuchsergebnisse für Elektroautos aus diversen Studien gibt, ignoriert das Öko-Institut diese – vermutlich nicht genehmen – Daten, mit der Behauptung, dass es noch „keine empirisch fundierten Analysen“ gäbe. Wie wäre es denn im Vorfeld mit einer fundierten Recherche gewesen? Die „Definition“ der Elektrofahrzeuge gipfelt in der Unterstellung, dass für ein kleines Elektroauto mit einem 28kWh großen Akku ein Anschaffungspreis von nur 20.000 Euro reichen würde, obwohl hierfür als Beispielfahrzeuge explizit der VW e-Up! und der BMW-i3 genannt werden, die beide (vor allem letzterer!) deutlich mehr kosten, obwohl ihre Akkus viel kleiner als die geforderten 28kWh sind.

Dass der Auftraggeber der Studie, der VDE Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik e.V., durchaus ein Interesse daran hat, dass mit dem Elektroauto noch mehr Elektrotechnik im Auto landet, ist verständlich. Dass aber das BMWi eine solche Propaganda-Studie für das Elektroauto fördert, macht mich schon etwas stutzig.

Und natürlich fehlt auch die lächerliche Leier nicht, nach der man mit einem Elektromobil ganz ohne Kohlendioxid-Emissionen fahren könnte, sobald man Ökostrom tanken würde. Doch seit wann bläst der Wind plötzlich kräftiger oder scheint die Sonne mehr, sobald man das Elektroauto an die Steckdose hängt? Nein, nur ein regelbares, konventionelles Kraftwerk kann den zusätzlich benötigten Strom erzeugen, indem es seine Leistung hoch fährt. Solange also nicht sowieso überschüssiger regenerativer Strom vernichtet würde, lädt das Elektroauto rein fossilen Strom, und zwar mit Null Prozent Ökostrom-Anteil. Eigentlich ganz einfach zu verstehen, oder? Aber egal. Liebes Öko-Institut und BMWi: auch das kann man bei mir nachlesen. Und das kostet Sie keinen Cent.

Wieso werden für so ein Papier Steuergelder ausgegeben? Wer ist dafür verantwortlich? Mit welcher Summe hat das BMWi diese Studie gefördert? Eine Studie mit fragwürdigen Ergebnissen. Wie wäre es, die „Studie“ schnell wieder zu kassieren und das bezahlte Geld dafür zurück zu zahlen? Laut dem BMWi sollen übrigens angeblich stattliche 170 Millionen Euro in das Förderprogramm „IKT für Elektromobilität“ fließen. Mit welchem Ziel? Falsche Hoffnungen zu verbreiten? Ich wäre sicher nicht über diese Studie gestolpert, würde ich nicht selbst an einer Arbeit zum Elektroauto und seiner Wirtschaftlichkeit schreiben, und zwar auf Basis umfangreicher Auswertungen. Sie wird in Kürze fertig sein. Ich warte auf Angebote!

Übrigens: obwohl des kreativen Vorgehens kann das Elektroauto auch nach der oben erläuterten „Studie“ nicht wirklich überzeugen. Auch das wäre ein Ergebnis. Meines Erachtens ein ziemlich vernichtendes Urteil.

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