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Kohlekraftwerke sollen 22 Mio. Tonnen Kohlendioxid einsparen

Einerseits hören wir vom Wirtschaftsminister Gabriel, dass wir nicht gleichzeitig aus Atomenergie und Kohlekraft aussteigen können. Gleichzeitig will die Regierung an ihrem Ziel festhalten, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40% gegenüber 1990 zu senken. Weil die CO2-Emissionen bis 2022 aber alleine durch den Ausstieg aus der Kernkraft erst mal ansteigen, ist das von der Regierung ausgegebene Klimaschutz-Ziel nur über weiteren Ausbau regenerativer Stromquellen kaum zu schaffen. Daher fordert Minister Gabriel nun, dass die Stromerzeugung aus Kohle bis 2020 ihre CO2-Emissionen um 22Mio. Tonnen (im Jahr) reduzieren muss. Das klingt nach viel, ist aber durchaus machbar.

Der effektivste und kostengünstigste Reduktion der CO2-Emission war schon immer ein ganz anderer Weg als der Bau von Wind- und Solaranlagen. Nämlich die Steigerung des Wirkungsgrades der bestehenden, fossilen Kraftwerke. Beispielsweise ein Tausch alter, ineffizienter Kohlekraftwerke gegen Neue mit weit höherem Wirkungsgrad.

Moderne Steinkohlekraftwerke überbieten bereits heute Wirkungsgerade von 45%. Für zukünftige Kraftwerke werden Wirkungsgrade von über 50% genannt. Baut man also ein neues Steinkohlekraftwerk mit 50% Wirkungsgrad und ersetzt damit ein altes Braunkohlekraftwerk, das einen Wirkungsgrad von nur 33,3% hat, verbraucht das neue Kraftwerk für die gleiche Strommenge nur noch 2/3 des Brennstoffes (mit den Zahlen des Umweltbundesamtes, Quelle unten). Der gleichzeitige Tausch des Brennstoffs von Braunkohle auf Steinkohle senkt die CO2-Menge nochmals um 15% (wenn die Bereitstellungsverluste der Steinkohle berücksichtigt sind; sonst sogar um fast 25%). Im Endeffekt emittiert das neue Kraftwerk nur noch 66,6% * 85% = 57% an CO2 für die gleiche Strommenge. So könnte das erzeugte Kohlendioxid also um gut 40% reduziert werden, wenn dafür eines unserer alten Braunkohlekraftwerke still gelegt würde.

Wie viel Kraftwerksleistung müsste bis 2020 auf diese Weise erneuert werden, um das geforderte Reduktionsziel von jährlich 22Mio. Tonnen CO2 zu erreichen?

Ein altes Braunkohlekraftwerk mit 33,3% Wirkungsgrad produziert etwa 1234g/kWh an CO2. Ein modernes Steinkohlekraftwerk mit 50% Wirkungsgrad nur etwa 702g/kWh. Das neue Kraftwerk spart damit 532 Gramm an CO2 je erzeugter Kilowattstunde Strom ein. (Werte inklusive des Energieverbrauchs für den Abbau und Import der Steinkohle; Daten hier).

Für die Reduktion von 22Mio. Tonnen an Kohlendioxid müsste 41,3TWh an Stromproduktion im Jahr auf solche neue Kraftwerke übertragen werden. Das entspräche einer Leistung von 6,36 GW, wenn die Auslastung bei etwa 6500 Stunden im Jahr läge (Braunkohlekraftwerke laufen mehr als 7.000h/Jahr). Natürlich müsste die gleiche Leistung entsprechend alter Braunkohlekraftwerke still gelegt werden (Statt diese still zu legen, könnten diese sogar als zusätzliche Notreserve für weitere neue Wind- und Solaranlagen fungieren, sodass dadurch sogar der Ausbau unsteter Energiequellen unterstützt und so weniger Kohlestrom gebraucht würde – was zu weiteren Einsparungen führt, sodass womöglich weniger Leistung erneuert werden müsste).

Nachdem die Gesamtleistung der aktuellen Braunkohlekraftwerke etwas über 22 GW beträgt, würde diese Rechnung recht gut hin kommen, wenn der Wirkungsgrad der 28% ältesten Braunkohlemeiler in etwa den angenommen Wert von 33,3% hat.

Neue Steinkohlekraftwerke mit 50% Wirkungsgrad wurden in 2008 auf 2000€/kW taxiert (Quelle unten). Selbst wenn wir jetzt 2500€/kW bezahlen müssten, wären 6,5 GW für etwas mehr als 16Mrd. Euro zu haben. Also für nur etwa 2/3 der Kosten, die wir JEDES Jahr alleine für die EEG-Umlage berappen müssen. Die erzielte Einsparung wäre aber ein x-faches von dem, was uns die erneuerbaren Energien für den gleichen Preis bieten können.

Gabriels Ziel bis 2020 dürfte problemlos erreichbar sein. Und das ohne dass weniger Strom aus Kohle erzeugt würde. Es reichen ein teilweiser Umstieg von Braun- auf Steinkohle und ein paar neue Steinkohlekraftwerke. Mit rund 2Mrd. Euro pro Jahr über die nächsten acht Jahre wäre das vermutlich finanziert.

Quellen:

Picture of the Future, Siemens 2008

Umweltbundesamt

Forschungsstelle für Energiewirtschaft

Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

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