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Fraunhofer-Institut rechnet Elekroauto „klimafreundlich“

Es ist an sich schon etwas eigenartig, wenn in den Medien oder von unseren Politikern lapidar behauptet wird, dass das Elektroauto klimafreundlich wäre, weil es angeblich kein CO2 ausstößt. Als wenn es mit Nichts fahren würde. Dass bei jeder Stromerzeugung CO2 entsteht, wird ignoriert. Auch die billige Ausrede, dass das Elektroauto mit regenerativem Strom CO2-frei fahren würde, greift ins Leere. Denn ganz genauso könnte jeder Verbrennungsmotor mit regenerativ erzeugtem Sprit betankt werden. Beides sind Extreme, die nicht mal in der Theorie stimmen. Die Praxis – also die realen Bedingungen – sehen erst recht ganz anders aus. Und nur um die Praxis geht es, alles andere wären Geschichten aus dem Märchenland, die für unser Leben keine Rolle spielen.

Zwei neue, in ihrem Ergebnis eigentlich nur wenig abweichende Studien heizen diese Diskussion nun neu an. Deren Autoren werfen sich gegenseitig vor, der Andere hätte das Elektroauto bzw. den Diesel-PKW schön gerechnet. Nachdem zunächst das Fraunhofer-Institut in seiner Studie1) vom 14.03.2019 das Elektroauto als klimafreundlich erklärte, stellte das ifo-Institut nur rund einen Monat später am 17.04.2019 eine eigene Studie3) dagegen, nach der ein Elektroauto mehr CO2 verursacht als ein normaler Diesel-PKW und damit eher klimaschädlich wäre.

Niemand schien sich am realitätsfernen Ergebnis der Fraunhofer-Studie zu stören, wird doch das Elektroauto überall als klimafreundlich erklärt. Ganz anders die Reaktion auf die ifo-Studie, nach der der Dieselmotor der klimafreundlicher Antrieb für ein Auto ist, und nicht der Elektroantrieb, obwohl auch das ifo-Institut das Elektroauto in keinster Weise schlecht rechnete, sondern durchaus wohlwollend behandelt. Dennoch passte das vielen grünen Journalisten überhaupt nicht. Postwendend wurde die ifo-Studie medial nieder geschrieben oder dem Herausgeber die Nähe zur Automobilindustrie unterstellt (siehe Link Nr.5 unten). Die Kritiker bleiben leider meist erbärmlich in der Sache, vor allem weil es ihr angeblich so sauberes Strommix nur in der Theorie gibt. Zudem: das ifo-Institut finanzierte seine Studie selbst, das Fraunhofer-Institut bezog dagegen Fördermittel vom Bundesland Baden-Württemberg.

Interessanterweise legten auch die Autoren vom Fraunhofer-Institut selbst mit einer schriftlichen Stellungnahme2) nur eine Woche nach Veröffentlichung der ifo-Studie (23.04.19) nach: mit vier, wohl etwas eigenartigen Argumenten verteidigen sie ihr meines Erachtens doch recht realitätsfernes Ergebnis.

Realistisch betrachtet ist ein durchschnittliches Elektroauto bei uns in Deutschland ungleich klimaschädlicher als jedes Auto mit Verbrennungsmotor. Bereits ein Heranziehen eines sogenannten Strom-Mixes hat nichts mit der Realität zu tun und dient zu nichts Anderem, als die CO2-Emission des Elektroautos künstlich schön zu rechnen. Entscheidend ist, das jedes Elektroauto zusätzlichen Strom verbraucht, der zwangsläufig aus fossiler Stromerzeugung kommt, solange der vorhandene Strom bereits anderweitige Verwendung findet. Würde das Elektroauto nicht geladen, würde ein fossiles Kraftwerk genau diesen Strom weniger erzeugen. Im regenerativen Strompark ändert das E-Auto nichts.

So wie für den Treibstoff auch die CO2-Emissionen berücksichtigt werden müssen, die für seine Bereitstellung bis zum Zapfhahn an der Tankstelle anfallen, genauso ist die gesamte Stromerzeugungskette bis hin zur Steckdose zu berücksichtigen, für deren Aufbau ungleich höhere CO2-Mengen verursacht wurden, für all die Kupferkabel und den Aufbau des extrem Anlagen-intensiven PV- und Windkraftanlagenparks. Strom aus PV- und Windkraftanlagen ist daher alles andere als CO2-frei ist. Wer dies unterschlägt, rechnet nicht seriös.

Hinzu kommt, dass auch die Produktion eines Elektroautos aufgrund seiner Batterien weit mehr Energie verschlungen hat als für die Produktion eines PKW mit Verbrennungsmotors nötig ist. Berücksichtigt man all das nur einigermaßen korrekt, bleibt nur ein Ergebnis: der Verbrennungsmotor ist der klimafreundlichste Antrieb. Und zwar mit großem Abstand.

Das Elektroauto ist nur in einer einseitig verkürzten Theorie klimafreundlich, in der Praxis ist es das Gegenteil, vor allem bei uns in Deutschland. Das Problem, das viele mit der Praxis haben, liegt daran, dass sie sich weigern, die realen Bedingungen – so wie sie in der Praxis vorliegen – korrekt wahrzunehmen. Denn nur dann kann man zu korrekten Ergebnissen kommen.

Selbst die Studie des ifo-Instituts arbeitet mit Annahmen, die das Elektroauto in recht gutem Licht darstellen, weil auch sie mit einem Strommix arbeiten. Ungleich unrealistischere Annahmen verwendet das Fraunhofer-Institut. Mit wertlosen Annahmen kommt man natürlich nur zu wertloses Ausgaben. Der Verdacht bleibt aber: wollte man das Elektroauto vorsätzlich als klimaschonend schönrechnen, weil die EU es wider jeglicher Vernunft per Dekret vorsätzlich als CO2-neutral erklärt?

Am Ende setzt sich immer irgendwann die Vernunft durch. Selbst denken hilft auch häufig weiter: warum nur kommt niemand auf die Idee, seine Kriegsfahrzeuge mit Elektroantrieb zu versehen?

Quellenangaben:

1) Studie des Fraunhofer-Instituts:

Martin Wietschel, Matthias Kühnbach; David Rüdiger, Fraunhofer-ISI Karlsruhe bzw. Fraunhofer LML Dortmund: „Die aktuelle Traibhausgasemissionsbilanz von Elektrofahrzeugen in Deutschland“, 14.03.2019:

https://www.isi.fraunhofer.de/de/presse/2019/presseinfo-07-elektroautos-klimabilanz.html

2) Stellungnahme des Autors Martin Wietschel vom 23.04.2019 auf die Studie des ifo-Instituts, die abweichende Ergebnisse veröffentlicht:

https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/2019/stellungnahme-elektrofahrzeuge.html

3) Studie des ifo-Instituts:

Christoph Buchal, Hans-Dieter Karl, Hans-Werner Sinn: „Kohlemotoren, Windmotoren und Dieselmotoren: Was zeigt die CO2-Bilanz?“ vom 17.04.2019:

http://www.cesifo-group.de/DocDL/sd-2019-08-sinn-karl-buchal-motoren-2019-04-25.pdf

4) Verteidigung des ifo-Instituts seiner Studie am 26.04.19 in wiwo.de:

https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/ist-das-e-auto-ein-rueckschritt-so-verteidigen-die-autoren-ihre-umstrittene-studie-zur-klimabilanz-von-e-autos/24261004.html

5) Mortiz Dietheim:“Ifo-Institut rechnet E-Autos schlecht – und macht dabei viele Fehler“:

https://www.focus.de/auto/elektroauto/studie-zu-klima-folgen-ifo-institut-rechnet-e-autos-schlecht-und-macht-dabei-viele-fehler_id_10611851.html

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