Indirekte Subventionierung des Stroms zum Fahren

Der Strom für das Elektroauto ist bereits indirekt subventioniert

In der Diskussion um das elektrische Fahren wird auch gerne vergessen, dass die Kraftstoffe in Deutschland über die Mineralölsteuer extrem hoch besteuert sind und auf diese Weise einen bedeutenden Teil unseres staatlichen Steueraufkommens liefern. Tanken wir aber statt Dieselkraftstoff (oder Benzin) plötzlich Strom, würden wir weniger Steuern bezahlen, weil der Steueranteil im Strompreis weit geringer ist als bei den Kraftstoffen. Beim Fahren mit Strom würde dem Staat so ein Teil seiner Steuereinnahmen verloren gehen, die dann auf andere Weise von unserer Bevölkerung zu bezahlen wären. Diese geringere Besteuerung des Stroms gegenüber den Kraftstoffen käme damit einer indirekten Subventionierung des Fahrens mit Strom gleich, solange die Kraftstoffe für die Verbrennungsmotoren höher besteuert sind.

Energiekosten-bei-gleichem-Steueranteil

Bild 1: Energiekosten auf Basis der durchschnittlichen Preise von 2013 für Dieselkraftstoff (1,42€/l) und Strom (29ct/kWh), Quellen siehe unten

Bei einem Preis von 1,42 Euro pro Liter beträgt der Steueranteil im Dieselkraftstoff fast genau 50% (Erläuterung, siehe unten). Der Steueranteil im Strompreis von 29 Cent je Kilowattstunde ist aber nur 29%. Hätte auch der Dieselkraftstoff nur 29% Steueranteil, würde der Liter Dieselkraftstoff statt 1,42 Euro nur noch rund 1,00 Euro je Liter an der Tanksäule kosten. Dadurch würde das Fahren mit Dieselkraftstoff erheblich günstiger, als es aktuell ist. Vor allem würde das Fahren mit dem Dieselkraftstoff aber gegenüber dem Fahren mit Strom noch günstiger ausfallen, als wir es bisher schon gesehen haben.

Bild 1 zeigt, wie konkurrenzlos günstig dann der Diesel-PKW gegenüber den drei Elektroautos fahre würde, selbst wenn der Akku-Verschleiß erst gar nicht berücksichtigt würde: der Dieselkraftstoff würde dann nur noch etwas über vier Euro je 100 Kilometer kosten, entsprechend dem zusätzlichen Balken in türkis in der Grafik ganz rechts.

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Bild 2: Energiekosten auf Basis der durchschnittlichen Preise von 2013 für Dieselkraftstoff (1,42€/l) und Strom (29ct/kWh) Quellen siehe unten

Allerdings ist in dieser Diskussion noch ein wichtiger Punkt zu berücksichtigen: so ist die Energie in Form von Strom zwar fast doppelt so teuer wie der Dieselkraftstoff. Dafür hat aber der verlustreiche Verbrennungsprozess des fossilen Energieträgers bereits im Kraftwerk statt gefunden, sodass beim Strombezug für diese verlorene Energie erst gar keine Steuer mehr bezahlt werden muss. Beim Fahren mit Kraftstoffen finden diese Umwandlungsverluste dagegen erst im Verbrennungsmotor statt, sodass man hier auch auf diese Verluste die hohen Kraftstoffsteuern zu entrichten hat.

Sehen wir uns daher an, wie viel Steuern jeweils absolut anfallen. Weil der hohe Strompreis den Stromverbrauch der Elektroautos schon recht teuer macht, zahlt der Fahrer eines Elektroautos in der Summe gar nicht so viel weniger Steuern als der Dieselfahrer, obwohl der Strom niedriger besteuert ist. Aber er liefert immer noch deutlich weniger Steuern ab.

Unser Kraftstoff Benzin ist übrigens so teuer, weil es noch höher besteuert ist als der Dieselkraftstoff.

Würde Dieselkraftstoff nicht höher als Strom besteuert, würde jede im Dieselkraftstoff gespeicherte Kilowattstunde nur noch 10 Cent kosten, wohingegen der Strom 29ct/kWh in 2013 kostete. Dann würde die Energie in Form von Dieselkraftstoff nur noch etwas mehr als ein Drittel gegenüber dem Strom kosten. Unter diesen Bedingungen wird klar, dass elektrisches Fahren schon daher teuer sein wird, weil die „veredelte“ Energie in Form von Strom unvergleichlich teurer ist, als in Form des unverbrannten Energieträgers.

Abschließend sei angemerkt, dass die EEG-Umlage im Strompreis keine Steuer ist, sondern lediglich umverlagerte Erzeugungskosten einer gewollt ineffizienten Stromerzeugung. Die Energiewende wird auf diese Weise zusätzlich beitragen, dass Strom im Vergleich zu den Kraftstoffen noch teurer werden dürfte.

Völlig außen vor blieben bisher weitere Kosten aufgrund der nötigen Lade-Infrasturktur: die Strompreise an einer Stromtankstelle würden höher ausfallen, als der Strom aus der heimischen Steckdose. Jede Stromtankstelle muss finanziert werden. Es muss hierfür ein zusätzlicher Preisaufschlag kassiert werden, damit sich die Stromtankstelle bezahlt macht. Der an einer Stromtankstelle bezogene Strom wäre dann noch teurer, als der Strom, den wir aus unserer Haus-Steckdose beziehen, sofern die Lade-Infrastruktur nicht subventioniert werden soll.

 

Berechnung der Steueranteile:

Diesel-Kraftstoff:

mit 1,42€/Liter (=mittlerer Preis von 2013): enthaltene Mehrwertsteuer: 1,42€/Liter*(0,19/1,19)=22,67ct/Liter;  Mineralölsteuer auf Dieselkraftstoff aktuell 47,04ct/Liter; Steueranteil aus Mehrwert- und Mineralölsteuer damit 69,71ct im Preis von 1,42€/Liter bzw. 69,7ct / 142ct = 49,1%

Strompreis:

mit 29,0ct/kWh (=mittelerer Preis von 2013): enthaltene Mehrwertsteuer: 29ct/kWh*(0,19/1,19)=4,63ct/kWh; weitere Steuern auf den Strom: 1,79ct/kWh für Konzessionsabgabe, 2,05ct/kWh für Ökosteuer (die Umlagen für EEG, Offschore-Haftung und KWK sind Teil der Kosten für die Stromerzeugung und damit keine Steuern sondern echte Erzeugungskosten!); Summe der Steuern: 8,47ct/kWh bzw. 8,47ct/kWh / 29,0ct/kWh = 29,2%. Quelle: BDEW, BEDW Strompreisanalyse Mai 2013, Berlin, 2013

 

Quellen-Nachweis:

Messwerte des ADAC aus den einzelnen Ecotest-Berichten des ADAC

Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik: Batterieelektrische Fahrzeuge in der Praxis, Wien, 2012. Im Internet: http://www.övk.at/aktuelles/2012/bev_data2.pdf

Mittlerer Strompreis in 2013: BDEW Bundesverband der Energie- und Waserwirtschaft e.V., BDEW-Strompreisanalyse Mai 2013, Berlin, Mai 2013

Mittlerer Dieselpreis für das Jahr 2013: Dieselpreise laut ADAC Allgemeiner deutscher Automobil-Club

 

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