Die Kosten aus dem Energieverbrauch

Da die Kosten aus dem Energieverbrauch das Produkt aus dem Energieverbrauch und dem spezifischen Preis der Energieart sind, spielt bereits der Preis der Energieart eine ganz entscheidende Rolle. Weil der Dieselmotor der effizienteste Verbrennungsmotor ist, müssen wir den Strompreis mit dem Preis von Dieselkraftstoff vergleichen.

 Was kostet die Energie jeweils?

In einem Liter Dieselkraftstoff sind fast genau 10 Kilowattstunden an Energie chemisch gespeichert. Damit kostete eine in Dieselkraftstoff gespeicherte Kilowattstunde in 2013 im Durchschnitt genau 14,2 Eurocent je Kilowattstunde (2013 betrug der durchschnittliche Preis für Dieselkraftstoff in Deutschland 1,42€/Liter. Quelle: ADAC). Für eine Kilowattstunde Strom musste in 2013 dagegen durchschnittlich 28,73 Eurocent bezahlt werden (Quelle: BDEW). Die selbe Energiemenge war damit in Form von Strom gut doppelt so als in Dieselkraftstoff.

Mit einem Strompreis von 28,73ct/kWh ist die gleiche Energiemenge in Form von Strom doppelt so teuer wie in Form von Dieselkraftstoff, wofür man 2013 nur 14,2ct/kWh bezahlen musste! (aktuell in 2016 liegt der Faktor fast bei drei, weil der Liter Diesel nur noch gut einen Euro kostet).

Bei diesem Preisverhältnis dürfen die Elektroautos nicht mal die Hälfte der Energie eines Dieselfahrzeugs verbrauchen, soll ihr Stromverbrauch weniger kosten als der verbrauchte Dieselkraftstoff. Wie viel Energie die Autos mit den beiden Antriebsarten in der Praxis tatsächlich verbrauchen, dem widmet sich der Abschnitt Der Energieverbrauch des Elektroautos im Vergleich zum Dieselfahrzeug im Detail.

 

Was der Strom zum Fahren kostet

Die Kosten für den Strom bei Norm-Verbrauch

Energieverbrauch-ECE-und-ADAC

Bild 1: Energieverbrauch über den NEFZ-Zyklus (ECE, Angabe im Prospekt) im Vergleich zum Testverbrauchswert über den Messzyklus des ADAC

Sehen wir uns zuerst den Energieverbrauch für drei bekannte Elektroautos, den Mitsubishi i-MiEV, den Nissan Leaf und den Smart electric drive sowie den VW-Polo Bluemotion Diesel an, wie er von den Herstellern im Prospekt nach den Vorgaben der EU angegeben wird (Normverbrauch laut EU-ECE101). Diese Pflichtangabe nach ECE weist jedoch praxisferne, viel zu niedrige Verbrauchswerte aus, weil die Ansprüche des verwendeten Mess-Zyklusses (NEFZ) zu gering sind und die Zusatzverbraucher (Licht, Klimaanlage, Heizung) ausgeschaltet bleiben.

Stellen wir daher zusätzlich die vom ADAC veröffentlichten Testverbrauchswerte (Quelle: ADAC) gegenüber. Der Mess-Zyklus des ADAC ist anspruchsvoller und es kommen Zusatzverbraucher zumindest teilweise zum Einsatz. Die Heizung bliebt aber auch dort aus.

Bild 2: Kosten aus dem Energieverbrauch mit den Energieverbrauchswerten aus der Grafik zuvor. Als Preise für Strom und Diesel jeweils der Mittelwert für Deutschland über das Jahr 2013.

Bild 2: Kosten aus dem Energieverbrauch mit den Energieverbrauchswerten aus der Grafik zuvor. Als Preise für Strom und Diesel jeweils der Mittelwert für Deutschland über das Jahr 2013.

Benutzen wir für die Kostenrechnung die über das Jahr 2013 gemittelten Preise für Strom und Dieselkraftstoff (siehe Text oben) und errechnen damit Kosten für den Energieverbrauch, erhalten wir als Ergebnis das Bild 2:

Selbst wenn man für die zu niedrigen Prospektwerte die Energieverbrauchskosten errechnet, kostet der Strom für die drei Elektroautos bereits in etwa das Gleiche wie der Dieselkraftstoff für den VW Polo.

Im realen Betrieb verbrauchen die Stromer aber weit mehr Energie, wie der Abschnitt  Der Energieverbrauch der Elektroautos im Detail aufzeigt. Entsprechend mehr kostet der Strom zum Fahren in der Praxis gegenüber diesen eher theoretischen Werten.

Für unsere drei Elektroautos und den VW-Polo Diesel sind bereits Messwerte für den Energieverbrauch unter Praxis-näheren Bedingungen verfügbar (zu den verschiedenen Messergebnissen für den Verbrauch mehr auf unserer Seite zum Energieverbrauch der Elektroautos). Wie sich die Kosten für den Strom dann entwickeln, sehen wir uns im Folgenden näher an.

Was der Strom zum Fahren in der Praxis kostet

Bild 3: Kein Messwert für die Autobahnfahrt beim Smart-ED, da seine Geschwindigkeit aus 120km/h beschränkt ist und damit die geforderte Geschwindigkeit von 130km/h nicht gefahren werden kann

Bild 3: Energieverbrauch unter verschiedenen Bedingungen. Kein Messwert für die Autobahnfahrt beim Smart-ED, da seine Geschwindigkeit auf 120km/h gedrosselt und 130km/h (Autobahn) nicht gefahren werden kann

Ziehen wir nun also für den Energieverbrauch Verbrauchswerte heran, die unter Praxis-nahen Bedingungen zustande kommen, und errechnen wieder, was dann die Energie zum Fahren kostet. Nehmen wir für den Energieverbrauch beispielsweise die Werte, wie sie der Österreichische Verband für Kraftfahrzeugtechnik für unsere vier Fahrzeuge unter verschiedenen Bedingungen in Versuchen ermittelt hat (siehe Bild 3), dann erhalten wir auch  Energieverbrauchskosten, die die Realität besser darstellen (siehe Bild 4).

Wir sehen, dass der Strom zum Fahren nur noch im Stadtverkehr – wo die Stärke der Elektroautos liegt – unter dem des Diesel-PKW bleibt, allerdings auch nur solange die Heizung aus bleibt.

Verbrauchskosten-unterschiedliche-Bedingungen

Bild 4: Energieverbrauchskosten unter verschiedenen Bedingungen. Kein Messwert für die Autobahnfahrt beim Smart-ED, da seine Geschwindigkeit auf 120km/h gedrosselt und die geforderte Geschwindigkeit von 130km/h nicht gefahren werden kann

Im Winter ist der Elektroantrieb besonders ungünstig

Läuft die Heizung bei einer Außentemperatur von 0° Celsius, verbrauchen die Elektroautos im Stadtbetrieb rund doppelt so viel Energie wie im Sommer. Entsprechend teuer wird so der Strom zum Fahren im Winter auch im Stadtverkehr. Im Winter wird der Verbrennungsmotor sehr effizient, weil der dann die Motorabwärme nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung sinnvoll einsetzen kann. Beim Elektroauto sind die Wärmeverluste bereits bei der Stromerzeugung im Kraftwerk verloren gegangen.

Die Elektroautos sind nicht für die Autobahn

Auf der Autobahn kostet der Dieselkraftstoff für den VW-Polo auch im Sommer weniger als der Strom für ein Elektroauto. Dort leiden die Elektroautos unter dem hohen Gewicht ihrer Akkus und daran, dass der Elektroantrieb mit steigender Leistung ineffizienter wird. Daher sind die Elektroautos auch alle in der Höchstgeschwindigkeit gedrosselt, weil dann die Wärmeverluste vor allem in den Akkus zu hoch werden.

Energieverbrauch über das Jahr im Stadtverkehr

Bild 5: Die Durchschnittstemperatur in Deutschland liegt über das Jahr bei knapp 9° Celsius. Die Grafik zeigt die Messwerte des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik bei 10° sowie die sich daraus ergebenden Kosten hierfür. Mit Strompreis von 29ct/kWh und Dieselpreis von 1,42€/kWh (jeweils Durchschnitt von 2013).

Bild 5: Verbrauchswerte laut Österreichischem Verein für Kraftfahrzeugtechnik bei 10° sowie die sich daraus ergebenden Kosten bei Strompreis von 29ct/kWh und Dieselpreis von 1,42€/kWh (jeweils Durchschnitt von 2013).

Reduzieren wir unsere Betrachtungen nur auf den Stadtverkehr, wo der Elektroantrieb seine Vorzüge ausspielen kann und der Verbrennungsmotor nicht so effizient läuft. Und versuchen wir uns hierfür ein Bild zu erzeugen, wie das Elektroauto dann über das Jahr abschneiden könnte. Weil die Außentemperatur für die Elektroautos so wichtig ist, wählen wir hierfür nun eine Außentemperatur, die in etwa der mittleren Temperatur über das Jahr entspricht. Diese beträgt bei uns in Deutschland rund 9°C. Zwar nicht für 9°C aber für eine Außentemperatur von 10°C hat der Österreichische Verein für Fahrzeugtechnik den Verbrauch unserer vier Fahrzeuge ebenfalls vermessen.Bild 5 zeigt die Verbrauchwerte bei 10°C im Stadtverkehr und die sich daraus ergebenden Kosten für den Energieverbrauch.

Will man im Elektroauto nicht frieren und sicher stellen, dass die Scheiben bei Regen und Frost auch immer frei sind, kostet beim elektrischen Fahren selbst im Stadtverkehr bei eher milden 10° Celsius der Strom in etwa so viel wie der Dieselkraftstoff für den Diesel-PKW. Im Sommer kostet der Strom dann weniger und im Winter deutlich mehr. Diese Werte bei 10° Celsius dürften daher den zu erwartenden Mittelwert für Verbrauch und Kosten über das Jahr gut wider geben.

Praktische Erfahrung

Besitzer von Elektroautos widersprechen zwar häufig diesen Ergebnissen (wie auch focus-online berichtet). Sie kommen selbst teils auf deutlich bessere Werte, wenn sie entsprechend sparsam fahren. Durch sehr langsames Fahren lässt sich nämlich beim Elektroantrieb der Verbrauch durchaus kräftig senken. Umgekehrt reagieren sie mit eine empor springenden Energieverbrauch bei flotter Fahrt.

Auch ich bin selbst diverse Elektroautos gefahren. Die Normverbrauchswerte und die angegebenen Reichweiten sind nach meiner persönlichen Erfahrung nur mit extrem zurückhaltender Fahrweise möglich, mit der man eher zum Verkehrshindernis wird. Flotte Fahrt lässt ihren Energieverbrauch in die Höhe schnellen. Dabei sind sie alle in der Höchstgeschwindigkeit abgeriegelt, sodass wirklich schnelles Fahren erst gar nicht möglich ist.

Ergebnis: mit Strom zu fahren ist nicht günstig

Im Ergebnis sehen wir, dass elektrisches Fahren nicht billig ist. Bereits der Strom zum Fahren kostet nur in günstigen Situationen etwas weniger, in den meisten Fällen aber eher deutlich mehr als man für den Dieselkraftstoff zahlen müsste. Dazu kommen beim Elektroauto noch die Kosten für die Stromspeicherung im Akku hinzu, weil das Akku verschleißt. Diese Kosten aus dem Akkuverschleiß sind massiv. Da verwundert schon ein wenig, dass der Akkuverschleiß meist unter den Tisch gekehrt werden. Weil die Ermittlung der Kosten aus dem Akkuverschleiß nicht so einfach ist, werden sie in einem eigenen Abschnitt behandelt:

Die Kosten aus dem Akkuverschleiß

Berücksichtigt man den Akkuverschleiß, ist das Fahren mit Strom alles andere als günstig. Und das, obwohl es sogar indirekt subventioniert ist, weil unser Strom geringer besteuert wird als unsere Kraftstoffe. Lesen Sie dazu:

Die Kosten aus der indirekten Subventionierung des Stroms zum Fahren

 

 

Quellen-Nachweis:

Messwerte des ADAC aus den einzelnen Ecotest-Berichten des ADAC

Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik: Batterieelektrische Fahrzeuge in der Praxis, Wien, 2012. Im Internet: http://www.övk.at/aktuelles/2012/bev_data2.pdf

Mittlerer Strompreis in 2013: BDEW Bundesverband der Energie- und Waserwirtschaft e.V., BDEW-Strompreisanalyse Mai 2013, Berlin, Mai 2013

Mittlerer Dieselpreis für das Jahr 2013: Dieselpreise laut ADAC Allgemeiner deutscher Automobil-Club

Sebastian Viehmann: Reichweiten-Diskussion: Zoff in der Elektroauto-Szene. focus-onlinde, 26.08.2014: http://www.focus.de/auto/elektroauto/tesla-contra-auto-motor-sport-reichweiten-diskussion-zoff-in-der-elektroauto-szene_id_4087017.html

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