↑ Zurück zu ELEKTROMOBILITÄT

Wie viel Energie verbrauchen die Elektroautos?

Niedriger Energieverbrauch bei den Elektroautos nur nach EU-Messung

Laut den jeweiligen Prospekten kommen die Elektroautos mir relativ wenige Energie aus. Die Praxis sieht hier aber etwas anders aus. Sehen wir uns daher den Energieverbrauch von drei bekannten Elektroautos genauer an. Zum Vergleich stelle ich den Energieverbrauch eines bekannten Kleinwagens ähnlicher Größe gegenüber (das letzte Modell des Polo, da auch die E-Autos schon einige Jahre auf dem Markt sind).

Vergleichen wir zuerst die Energieverbrauchswerte aus den jeweiligen Prospekten (die Pflichtangabe nach ECE laut den Vorgaben der EU) und stellen ihnen die Testverbrauchswerte gegenüber, wie sie vom ADAC gemessen und veröffentlicht wurden:

Bild 1: Verbrauch nach ECE-101 und Testverbrauch laut ADAC. Quellen: Energieverbrauchnach EU ECE-101 aus den jeweiligen Prospekten der Hersteller. Testverbrauchswert: der gemittelte Testverbrauchswert, wie vom ADAC in dessen Ecotest-Berichten veröffentlicht: http://www.adac.de/infotestrat/tests/auto-test/default.aspx

Bild 1: Verbrauch nach ECE-101 und Testverbrauch laut ADAC. Quellen: Energieverbrauchnach EU ECE-101 aus den jeweiligen Prospekten der Hersteller. Testverbrauchswerte wie vom ADAC in dessen Ecotest-Berichten veröffentlicht (siehe Quellennachweis unten)

Dem ersten Anschein nach verbrauchen die drei Elektroautos nur in etwa halb so viel Energie wie der VW-Polo mit Dieselmotor. Der jeweilige Energieverbrauch hängt jedoch stark von den gewählten Mess-Bedingungen ab. Das in der EU vorgeschriebene Messverfahren für den Energieverbrauch  (Prospekt-Werte nach ECE-101) beruht auf dem sogenannten NEFZ (Neuer Europäischer Fahr-Zyklus), der unnatürlich niedrige Ansprüche unterstellt, die sehr wenig mit dem Fahrverhalten in der realen Praxis zu tun haben. Die Fahrzyklen sind zu träge gewählt und stellen damit zu geringe Anforderungen an die Messung. Entsprechend höher fallen daher die vom ADAC gemessen Verbrauchswerte aus.

 

Energieverbrauch unter realen Bedingungen

Weil niemand so fährt, wie nach der EU-Messung und noch weniger die dafür nötigen Umgebungsbedingungen vor liegen, brauchen wir Messwerte unter Bedingungen, die der Praxis näher kommen. Recht ausführliche Messungen an den drei oben schon erwähnten Elektroautos hat die TU-Wien im Auftrag des Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik vorgenommen und dazu den VW-Polo mit Dieselmotor mit vermessen, um vergleichbare Werte zu erhalten.

Diese Vermessung der Fahrzeuge demonstriert als wohl wichtigste Erkenntnis, dass es für die Autos mit Verbrennungsmotor kaum eine Rolle spielt, zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist. Aber nicht so beim Elektroauto, da es keine kostenlose Motorabwärme zum Beheizen des Fahrzeug-Innenraums besitzt. Es reagiert daher sehr empfindlich auf die Außentemperatur. Verbraucht es im Stadtverkehr ohne Nutzung der Heizung noch recht wenig Energie, steigt sein Energiehunger im winterlichen Stadtverkehr schnell auf das Doppelte an.

Zudem reagiert der Energieverbrauch der Elektroautos weit empfindlicher auf den Fahrstil. Fährt man mit ihm nicht mehr so sachte, kann es seine Fähigkeit, die Bremsenergie zurück zu gewinnen, weniger gut einsetzen. Zudem wird sein Antrieb mit steigender Leistung ineffizienter, wohingegen der Verbrennungsmotor bei höherer Leistung seinen besten Effizienzbereich erst erreicht.

Innenraumheizung: Energievernichter im Elektroauto

Während der Verbrennungsmotor den Innenraum mit seiner Motorabwärme beheizen kann, muss das Elektroauto hierfür zusätzliche Energie verheizen, weil es über keine nutzbare Abwärme verfügt. Je langsamer man fährt, desto länger muss die Heizung laufen, bis eine bestimmte Strecke zurück gelegt ist. Bei einer Geschwindigkeit von 20km/h läuft die Heizung beispielsweise ganze fünf Stunden, bis man 100 Kilometern gefahren ist. Dementsprechend massiv springt der Energieverbrauch durch den Einsatz der Heizung vor allem im Stadtverkehr nach oben.

Der Österreichische Verein für Fahrzeugtechnik (Quelle Messwerte) hat den Einfluss der Heizung bei verschiedenen Außentemperaturen nach messen lassen, wenn der Auto-Innenraum auf 22° Celsius gehalten werden soll. Demnach verdoppelt der Betrieb der Heizung bei einer Außentemperatur von 0° Celsius im Stadtbetrieb den Energieverbrauch der drei Elektroautos im Durchschnitt:

Bild 3: Kein Messwert für die Autobahnfahrt beim Smart-ED, da seine Geschwindigkeit aus 120km/h beschränkt ist und damit die geforderte Geschwindigkeit von 130km/h nicht gefahren werden kann

Bild 2: Energieverbrauch unter praxisnäheren Bedingungen. (kein Messwert für die Autobahnfahrt beim Smart-ED, da er auf 120km/h gedrosselt und die geforderte Geschwindigkeit von 130km/h nicht fahren kann; Messwerte vom ADAC bzw. der TU-Wien; siehe Quellenangabe unten)

 

Hohe Geschwindigkeiten sind nichts für die Elektroautos

Nachdem die meisten Messzyklen die Autobahnfahrt vernachlässigen, hat die TU-Wien den Energieverbrauch auch für einen Autobahn-Zyklus mit Geschwindigkeiten bis maximal 130 km/h vermessen. Die Messergebnisse der Autobahnfahrt (siehe obige Grafik von Bild 2) verdeutlichen gut, wie sensibel der Energieverbrauch der Elektroautos unter höheren Anforderungen nach oben springt. So genehmigen sich die zwei Elektroautos über den Autobahn-Zyklus fast doppelt so viel Strom wie über den Stadt-Zyklus. Demgegenüber lief der Diesel-PKW auf der Autobahn sogar etwas sparsamer als in der Stadt. Höhere Geschwindigkeiten sind ganz offensichtlich nicht die Stärke der Elektroautos. Nicht umsonst sind sie übrigens alle in der Höchstgeschwindigkeit gedrosselt. Der Elektro-Smart ist auf maximal 120km/h gedrosselt, sodass er den Autobahn-Zyklus gar nicht erst absolvieren kann.

 

Elektroautos verbrauchen weit mehr Energie als die Norm-Verbrauchswerte suggerieren

Schon die wenigen Testwerte hier zeigen, dass es mit der Effizienz der Elektroautos nicht so gut gestellt ist, wie meist angenommen wird. Die Elektroautos reagieren auf erhöhte Anforderungen im Verkehr deutlich empfindlicher im Verbrauch als unsere Autos mit Verbrennungsmotor. Vergleichen wir die Testwerte der obigen Diagramme mit den angegebenen Normverbrauchswerten, erhalten wir die Ergebnisse der Tabelle unten. Die Tabelle erhält zusätzlich das für ein Elektroauto typische Nutzungs-Szenario, die Stadtfahrt mit der über das Jahr gemittelten Temperatur von 10 Grad Celsius. Die Prozentwerte sind jeweils das rechnerische Verhältnis von Test-Verbrauchswert zu Normverbrauch nach NEFZ:

Testverbrauch zu Normverbrauch

Bild 4: Die Tabelle zeigt den jeweils gemessenen Testverbrauch über dem Normverbrauch nach NEFZ. Messwerte vom ADAC und der TU-Wien (siehe Quellenangaben unten).

Mit dem Alter des Akkus steigen die Verbrauchswerte der Elektroautos übrigens langsam an, weil die Verluste im Akku zu nehmen. Vor allem zwei Gründe sind letztlich dafür verantwortlich, dass Theorie und Praxis beim Energieverbrauch der Elektroautos so weit auseinander klaffen:

1) Die Heizung verbraucht enorm viel zusätzliche Energie, vor allem im Stadtverkehr. Auf sie kann aber schon alleine deshalb nicht verzichtet werden, weil die Scheiben frei von Beschlag und Eis gehalten werden müssen

2) Das Elektroauto ist nur bei sehr niedrigen Leistungsanforderungen sehr effizient. Mit steigender Leistung nehmen die Verluste im Elektroauto schnell zu, sodass sein Verbrauch mit der Fahrgeschwindigkeit sehr schnell ansteigt.

Wie sich der Stromverbrauch der Elektroautos in den Kosten nieder schlägt, erfahren Sie unter:

Was elektrisches Fahren wirklich kostet

 

Quellen:

Messwerte des ADAC aus den einzelnen Ecotest-Berichten

Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik: Batterieelektrische Fahrzeuge in der Praxis, Wien, 2012

Mittlerer Strompreis in 2013: BDEW Bundesverband der Energie- und Waserwirtschaft e.V., BDEW-Strompreisanalyse Mai 2013, Berlin, Mai 2013

Mittlerer Dieselpreis für das Jahr 2013: Dieselpreise laut ADAC Allgemeiner deutscher Automobil-Club

 

Gemessene Reichweiten

Reichweite von Elektroautos

Wie weit man mit einem Elektroauto fahren kann, hängt davon ab, wie viel Energie man beim Fahren verbraucht. Die für die Elektroautos angegebene Reichweite wird nur erreicht, wenn ebenso sparsam wie nach der Messfahrt für die Reichweite gefahren würde. Im realen Betrieb verbrauchen die Elektroautos jedoch ungleich mehr Energie. Entsprechend niedriger fällt die Reichweite aus. …

Seite anzeigen »

Energieaufwand für den Antrieb

Warum die Elektroautos so viel Energie verbrauchen

Ein Kleinwagen mit etwa 1200 Kilogramm Gewicht verbraucht in etwa 9 bis 10 Kilowattstunden an Antriebsenergie, um 100 Kilometer Strecke des Fahrzyklusses für die Messung des Norm-Verbrauchs nach ECE-101 zu fahren. Das ist gerade mal so viel Energie, wie in lediglich einem einzigen Liter Dieselkraftstoff chemisch gebunden ist. Trotzdem verbrennt ein Auto mit Dieselmotor eher …

Seite anzeigen »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Menu Title